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Standort contra Umwelt?Wie aktuell ist betrieblicher Umweltschutz heute noch?Im Auftrag des Dualen System Deutschlands AG befragte das Allensbach-Institut im Jahr 2000 2150 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger über 16 Jahre zum Stellenwert des Umweltschutzes. Dazu einige Auszüge: Welche Wichtigkeit würden Sie welchem Bereich zuordnen?
Welche Umweltprobleme in Ihrem Land würden Sie als besonders schwerwiegend bezeichnen?
Knapp 4 Mio Arbeitslose (Stand: 07/2001) in Deutschland, rund 1,5 Mio Nichtbeschäftigte in Weiterbildungsmaßnahmen, intensive "Freisetzungen" von Unternehmens-Mitarbeitern, globaler Wettbewerb, Abwanderungen von Unternehmen ins ferne Ausland, 43.000 Firmenlöschungen im Jahr 2001 zeigen die derzeitige Not unserer Gesellschaft mehr als deutlich auf. Soziale Spannungen, Rentenreform, Diskussion um Abbau von Subventionen in Kohle, Stahl und Landwirtschaft bergen weitere soziale "Sprengkraft". Deutschland ist seit rund 8 Jahren dabei, sich aus den bisher so erfolgreichen "Wirtschaftswunder-Zeiten" zu verabschieden, ohne wirkliche innovative Alternativen zu bieten, die im internationalen Wettbewerb Vorteile versprechen würden. Was ist los mit dem Standort Deutschland?Zweifellos ist gesellschaftlicher Umbau mehr als nötig: die Zukunft unserer Wirtschaft und Gesellschaft ist mit den "Spielregeln" und Verhaltensweisen der Vergangenheit nicht erfolgreich zu gestalten. Umbruch und Veränderung sind dabei sozialverträglich, aber auch umweltverträglich und vor allem wirtschaftlich zu sichern. Kein leichtes Unterfangen. Neue Koalitionen, Mut zum riskanten Wandel, innovative und kreative, nutzenorientierte Produkte und Dienstleistungen sind gefragt. Der Strukturwandel bedeutet "Chaosmanagement", setzt mutige und risikobereite Mitarbeiter voraus, die unternehmerisch denken und handeln. Qualifikation und Motivation, Kommunikation und Arbeiten in Projektteams, sind die tools einer wettbewerbsfähigen, tragfähigen Wirtschaft und Gesellschaft. Es bleibt noch viel zu tun, da die Verhältnisse in den Unternehmen alles andere als zukunftsorientiert scheinen! Der Stellenwert des Umweltschutzes - zur "Hochzeit" Mitte der 80er Jahre mit über 96% der gesellschaftsrelevanten Meinung klar an erster Stelle liegend - ist inzwischen nachrangig in der öffentlichen Meinung zurückgefallen. Standortdiskussion also heute contra Umweltschutz? Es wäre fahrlässig und töricht, sich solcher Meinung anzuschließen. Zweifellos sind wir aus den Schadstoff-Emissionen der 70er und 80er Jahren heraus, die unser Wasser übermäßig belasteten, die uns über Luftschadstoffe Asthma und Allergien brachten. Durch milliardenschwere Investitionen in nachsorgende Umwelttechnik haben wir diese Probleme weitestgehend in den Griff bekommen. Nun steht eine neue Herausforderung an: "sustainable development" - die nachhaltige Wirtschaftsweise - die unsere Produkte und Dienstleistungen als Emissionen betrachtet (!), fordert neue Anstrengungen in Richtung Emissionsvermeidung, Ressourcenschonung, Optimierung von Produktionen, Prozessen und Produkten. Unternehmen sind gefordert, ihren Strukturwandel nicht gegen Umweltschutz sondern mit Umweltmanagement zu gestalten und zu gewinnen. Hierzu gibt es neue Normen wie die ISO 14000 und die Ökoaudit-Verordnung (EMAS II 761/2001), die dazu beitragen, den Unternehmenswandel effizient und zukunftsorientiert zu realisieren. Rund 4000 Pionier-Unternehmen (Quelle: ISO World) haben sich auf den schwierigen, aber erfolgreichen Weg gemacht und wurden europaweit inzwischen validiert bzw. zertifiziert. Davon etwa 67% alleine in Deutschland (Stand: 10/2001). Wo sind die anderen "Leuchttum-Unternehmen", die den Weg weisen? Die Qualifizierung der Mitarbeiter wird in Zukunft die strategische Größe sein, die es als Wettbewerbsvorteil zu nutzen gilt. Nicht nur in Deutschland sondern auch im globalen Wettbewerb. Wir haben keine Rohstoffe, billige Energien und natürliche Standortvorteile. Wir haben aber noch hervorragende Infrastuktur und Kreativpotentiale in Deutschland. Wir sollten diese nutzen, im Interesse von Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb kann es nicht heißen: "Standort contra Umwelt" sondern "Standortsicherung durch umweltrelevante zukunftssichereTechnologien und Managementsysteme". Halten wir Anschluß an den globalen Wettbewerb oder haben wir unsere Zukunft bereits hinter uns? Eine Frage, die sich in den nächsten Jahren entscheiden wird. |